Moderne Sklaverei
Ein verborgenes Verbrechen und unsere Verantwortung
Die jüngste Befreiung von tausenden Menschen aus einer sogenannten "Scamfabrik" in Myanmar lenkt die Aufmerksamkeit auf ein gravierendes globales Problem: die moderne Sklaverei. Viele Medien berichteten darüber, unter anderem auch die Tagesschau. Diese Befreiung zeigt sehr eindrücklich die Ausmasse moderner Sklaverei.
Doch halt – moderne Sklaverei? Sklaverei wurde doch abgeschafft?
In der Tat wurde Sklaverei, wie wir sie üblicherweise bei diesem Wort im Kopf haben, global beendet und verboten. Doch haben wir heute mit der sogenannten modernen Sklaverei andere Formen.
Moderne Sklaverei bedeutet, dass Menschen mit Gewalt, Lügen oder Zwang ausgebeutet werden und kaum Freiheit haben. Sie gehören niemandem offiziell, werden aber extrem unterdrückt und missbraucht.
Wir unterscheiden folgende Formen der modernen Sklaverei:
Zwangsarbeit – Menschen werden zur Arbeit gezwungen, oft unter Gewaltandrohung oder Schuldknechtschaft.
Menschenhandel – Opfer werden verkauft oder transportiert, meist für Zwangsarbeit oder sexuelle Ausbeutung.
Schuldknechtschaft – Personen müssen Schulden abarbeiten, oft mit unfairen Bedingungen, sodass sie nie entkommen.
Zwangsheirat – Menschen (meist Frauen und Kinder) werden ohne echte Zustimmung verheiratet und oft missbraucht.
Kinderarbeit – Minderjährige müssen unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten, oft gefährlich und ohne Zugang zu Bildung.
Kindersoldaten – Minderjährige, werden zwangsweise oder unter Druck in bewaffneten Konflikten als Kämper, Spione, Boten oder für andere militärische Zwecke eingesetzt.
Laut dem Globaly Slavery Index von der Walk Free Foundation waren im Jahr 2021 etwa 50 Millionen Menschen weltweit Opfer moderner Sklaverei; davon wurden 28 Millionen zur Arbeit gezwungen und 22 Millionen sexuell ausgebeutet.
Die Dunkelziffer dürfte weit höher ausfallen. Opfer haben oft keine Möglichkeit Hilfe zu suchen oder zu melden, dass sie versklavt sind. Zudem findet moderne Sklaverei oft in illegalen und schlecht kontrollierten Branchen statt. Auch lagern grosse Konzerne ihre Produktion oft in Länder aus, in denen die Kontrolle fehlt, so zum Beispiel in der Textil- und Elektronikindustrie, aber auch im Lebensmittelsektor. Nicht zuletzt macht es auch die organisierte Kriminalität dahinter schwer, Probleme wie Menschenhandel, Zwangsprostitution und Kinderarbeit aufzudecken.
Dies zeigt, dass moderne Sklaverei ein schwerwiegendes Menschenrechtsproblem darstellt, welches trotz weltweiter Bemühungen weiterhin existiert.
Im Folgenden ein paar Beispiele:
Natürlich sei an erster Stelle die Scamfabrik in Myanmar genannt, in der Menschen mit Folter gezwungen wurden Handlungen entgegen ihrer eigenen Werte auszuführen. In diesem Fall gar die Ausbeutung anderer. Hundertausende befinden sich weiterhin unter schlimmsten Bedingungen in solchen Fabriken. Das sind schockierende Zahlen, welche man selbst kaum mehr greifen kann.
Sehen wir uns die Tierindustrie und damit die prekäre Situation in der Fischerei an. Fischer werden auf Booten gefangen gehalten und zur Arbeit gezwungen. Damit trägt unser Fischkonsum nicht nur direkt zu Umweltzerstörung und Artensterben bei, sondern stellt einen grossen Teil der modernen Sklaverei dar. Unter diesem Link findest du mehr dazu.
Ein weiteres Beispiel der Seefahrt findet sich in der Frachtschifffahrt. Hier werden Menschen zunächst unter schlechten Arbeitsbedingungen ausgenutzt und am Ende sehr häufig auf hoher See zurückgelassen. Viele Menschen müssen so jahrelang auf dem Meer treibend ausharren und hoffen gerettet zu werden. Nähere Informationen der Tagesschau findest du hier.
Weithin bekannt sind mittlerweile die Zustände in der Mode, vor allem der Fast Fashion Industrie. Vornehmlich Mädchen und Frauen arbeiten dabei unter katastrophalen Bedingungen in Fabriken. Auch hierzu kannst du über diesen Link mehr erfahren.
Auch wenn viele Menschen bei diesem Thema zunächst an ferne Länder denken und die genannten Beispiele auch hier ansetzen, ist moderne Sklaverei keineswegs nur ein weit entferntes Problem. Ebenso in den DACH-Staaten – Deutschland, Österreich und der Schweiz – gibt es Formen von Zwangsarbeit und Ausbeutung, die viel zu oft unbemerkt bleiben.
Es sind erschreckend hohe Zahlen von Betroffenen: Laut dem Global Slavery Index sind in Deutschland etwa 47.000 Menschen betroffen. Viele davon im Bereich Zwangsarbeit. Auch in der Schweiz und in Österreich ist dieses Problem präsent.
Ursachen und Hintergründe
Die Ursachen für moderne Sklaverei sind komplex. Armut, fehlende Bildung und soziale Ungleichheit sind ebenso Faktoren, die Menschen in die Hände von Ausbeutern treiben, wie globale wirtschaftliche Strukturen, die durch billige Arbeitskräfte und günstige Produkte getrieben werden. In den DACH-Staaten mag es uns schwerfallen, Sklaverei als Problem direkt vor der eigenen Tür zu erkennen, doch die Realität ist, dass auch hier Menschen unter extremen Bedingungen arbeiten – sei es in der Landwirtschaft, in der Bauindustrie, in der Textilproduktion oder sogar in privaten Haushalten.
In vielen Fällen sind Migranten und Flüchtlinge besonders gefährdet. Sie haben oft keine sicheren Aufenthaltsmöglichkeiten, befinden sich in prekären Lebenslagen und sind daher leicht zu manipulieren und auszubeuten. Auch illegale Arbeitsverhältnisse tragen zur Verbreitung moderner Sklaverei in wohlhabenden Ländern bei.
Unsere Rolle und Verantwortung
Als Konsumenten und Mitglieder der globalen Gemeinschaft tragen wir eine Mitverantwortung im Kampf gegen moderne Sklaverei. Viele Produkte des täglichen Bedarfs, wie Elektronik, Kleidung oder Lebensmittel, können entlang ihrer Lieferketten mit Zwangsarbeit in Verbindung stehen. Auch hier müssen wir unser Verhalten überdenken und uns der Tatsache stellen, dass selbst wir in unseren wohlhabenden Ländern dazu beitragen..
Was können wir tun?
1. Bewusster Konsum: Informiere dich über die Herkunft von Produkten und bevorzuge Unternehmen, die transparente und ethische Lieferketten nachweisen können. Unterstütze Labels, die sich gegen moderne Sklaverei einsetzen und faire Arbeitsbedingungen gewährleisten.
2. Unterstützung von Organisationen: Es gibt zahlreiche Organisationen, die sich für die Rechte von Arbeitskräften einsetzen und gegen Menschenhandel kämpfen. Ihre Arbeit zu unterstützen, sei es finanziell oder durch freiwillige Mitarbeit, ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Sklaverei.
3. Politisches Engagement: Setze dich für strengere Gesetze und deren Durchsetzung gegen Menschenhandel und Ausbeutung ein. Fordere von den Regierungen, dass sie härter gegen Arbeitsausbeutung vorgehen und die Rechte von Menschen national und international besser schützen.
4. Aufklärung: Sensibilisiere dein Umfeld für das Thema und fördere Bildungsprogramme, die über moderne Sklaverei informieren. Je mehr Menschen sich des Problems bewusst sind, desto sichtbarer wird es und kann wirksam bekämpft werden.
Fazit:
Die Befreiung der Menschen in Myanmar erinnert uns daran, dass moderne Sklaverei ein globales Problem ist – und dass auch wir in den DACH-Staaten nicht von dieser Thematik ausgeschlossen sind. Durch bewusste Entscheidungen und aktives Engagement können wir alle dazu beitragen, diese menschenunwürdige Praxis zu beenden, sowohl in den entlegenen Winkeln der Welt als auch direkt vor unserer eigenen Haustür.